Noten zur Neuen Geistlichen Musik

Unter dem Begriff „Neue Geistliche Musik“ oder auch „Neues Geistliches Lied“ wird seit etwa den 50er Jahren eine Musikrichtung verstanden, die religiös im weitesten Sinn ist und stilistisch der jeweils aktuellen Popmusik nahesteht – und mithin gar nicht mehr unbedingt „neu“ ist.

Maßgeblich für die Entwicklung war eine Künstlergruppe, die sich TAKT nannte, ein Akronym für „Textautoren- und Komponisten-Tagung“, in der so bekannte Persönlichkeiten wie [Rolf Schweizer], [Oskar Gottlieb Blarr], [Peter Janssens] und [Fritz Baltruweit] vertreten waren. Die in den 60er Jahren gegründete evangelische „Arbeitsgemeinschaft für evangelische Jugendmusik“ hatte ebenso wie die katholische „Werkgemeinschaft Lied und Musik“ zum Ziel, die Kirchenmusik zu modernisieren. Mit dem gleichen Ziel veranstaltete die Evangelische Akademie Tutzing zur selben Zeit vier Wettbewerbe, die die Produktion neuer geistlicher Lieder kräftig ankurbelten. Seither ist diese Musikrichtung aus der Kirchenmusik nicht mehr wegzudenken. Das Siegerlied des ersten Wettbewerbes kennt heute fast jeder: „Danke für diesen guten Morgen“ von [Martin Gotthard Schneider].

In den Texten versuchen die Autoren, Lebensnähe und Zeitgeist anklingen zu lassen. Die Sprache ist weniger lyrisch geprägt, alltägliche Probleme wie die Bedrohung des Weltfriedens oder die Umweltzerstörung werden thematisiert, das Bild des „wandernden Gottesvolkes", das seinen Weg mit Christus als Leitfigur in Einigkeit, aber abseits der kirchlichen Dogmatik geht, dominiert.

Musikalische Elemente aus Jazz, Chanson, Schlager und Rock zeigen sich hauptsächlich in der von Synkopen geprägten Rhythmik und einer erweiterten Harmonik jenseits von Dur und Moll. Dadurch stehen sie dem Klangidiom der Orgelbegleitung oft ferner als dem einer Band mit Gitarren und Percussion.