Noten und Partituren zu Oratorien

Das Jahr 1700 war ein Heiliges Jahr, so heilig, dass Papst Clemens IX. seinem Rom den neuesten Gipfel der Sinnlichkeit, die lasterhafte Oper, verbot, und das Verbot dann noch um fünf weitere Jahre verlängerte.

Doch nicht einmal seine eigenen Kurienmitglieder wollten auf das musikalische Vergnügen verzichten und gaben arrivierten Opernkomponisten wie Alessandro Scarlatti oder Antonio Caldara dramatische Texte mit geistlichem Inhalt zur Vertonung in Auftrag. Diese Werke wurden in den Oratorien, den Betsälen der Klöster, ohne szenische Umsetzung aufgeführt. So erhielt eine Gattung ihren Namen, die sich in musikalischer Hinsicht kein bisschen von den sündhaften Klängen des Musiktheaters unterschied.

Wie fließend die Grenzen sind, zeigt eine der berühmtesten Arien von Georg Friedrich Händel, Lascia ch'io pianga, die wir heute hauptsächlich aus seiner Oper Rinaldo kennen: Sie stammt ursprünglich aus seinem ersten Oratorium `Il Trionfo del Tempo e del Disinganno´.

Die Gattung wurde genauso erfolgreich wie die Oper, und so wie es moderne Rock-Opern wie Tommy von The Who gibt, erfreuen sich derzeit Pop-Oratorien wie "Luther" von Dieter Falk großer Beliebtheit.