Zu den Wunderkindern der Musikgeschichte müssen wir auch Camille Saint-Saëns zählen, denn schon mit sechs Jahren spielte er das Piano, komponierte Lieder und kleine Klavierstücke. Die ersten Schritte auf diesem Instrument zeigten ihm die Mutter und die Großtante. Bereits mit elf Jahren gab er sein erstes Konzert im Salle Pleyel in Paris. Zwei Jahre später wurde er in das Paris Konservatorium aufgenommen. Dort unterrichteten ihn Camille Stamaty am Klavier und François Benoit an der Orgel. Kompositionsunterricht bekam er von Fromental Halévy.

Im Jahre 1852 wurde er als Organist an die Église Saint-Merry berufen, und ab 1857 bekam er die gleiche Position an der Église de la Madeleine. Als Klavierlehrer verpflichtete ihn die École Niedermeyer ab 1861. In seiner Eigenschaft als Virtuose und Dirigent ging er auf Reisen, bevorzugte allerdings vorwiegend die eigenen Werke. Zu den Impressionisten hatte er ein gestörtes Verhältnis, und Richard Wagner mochte er nicht. Freundschaft verband ihn mit Franz Liszt, der sich auch für die Uraufführung seiner Oper „Samson und Dalila“ in Weimar einsetzte und das Werk dirigierte.

Von Auber angeschoben, hat Saint-Saëns insgesamt zehn Opern komponiert, wenn man von der „Frédégunde“ einmal absieht, an der er sich im Kollektiv mit anderen Komponisten versuchte. Erfolg hat er in er in neuerer Zeit auch mit der gelben Prinzessin und mit Heinrich IIX. Ein Magnet an allen Opernhäusern ist natürlich „Samson und Dalila“. Kaum eine Altistin lässt es sich nehmen, die Soloszenen der Dalila in ihr Sängerporträt zu integrieren.

Fruchtbar war der Komponist auf allen Gebieten der Orchester- und Kammermusik. Mit leichter Hand hingeworfen und in Eile produziert, ist nicht alles Gold was glänzt. Der Beliebtheit seiner Violin-, Violoncello- und Klavierwerke tat das keinen Abbruch. Stilistisch gilt Saint-Saëns als Klassizist auf der Schwelle zur Romantik. Gern gehört wird die zoologische Fantasie „Karneval der Tiere“. Zusammen mit César Franck gründete Saint-Saëns die „Société Nationale de Musique“, die es sich zum Ziel setzte, eine national-französische Musik zu präsentieren, als ob es eine solche nicht schön längst gäbe, nachdem Hector Berlioz mit seiner „Symphonie Fantastique“ das Jahrhundert eingeläutet hatte. Vier Symphonische Dichtungen waren der Beitrag des Gründungsmitgliedes.

Im hohen Alter von 86 Jahren verstarb der Hochdekorierte und Hochgeehrte in Algier. In Dieppe gibt es ein Museum, welches seinen Namen trägt.