Lateinische Ave-Maria-Vertonungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts für Singstimme und Orgel
Bezetting: Zangstem (middel), Orgel
Ave Maria, gratia plena ... Wie die kultische Marienverehrung bis weit ins zweite christliche Jahrhundert zurückreicht und Maria - von den Kirchenvätern als "Mutter der Lebendigen" betitelt - in den Konzilien von Ephesus (431) und Chalkedon (451) durch dogmatische Festschreibungen als Theotokos (Gottesgebärerin) und Aieparthenos (Immerwährende Jungfrau) bestätigt wurde, geht auch die Verwendung dieses lobpreisenden Grußes an die Gottesmutter in frühe Zeiten der Kirchengeschichte zurück.
In seiner ältesten uns bekannten, rein biblischen Form,
bestehend aus den Grußworten des Erzengels Gabriel (Lk 1,
28) und der 1-11. Elisabeth (Lk 1, 42), findet er sich im
christlichen Orient bereits zu Beginn des 6. Jahrhunderts -
Ephraim der Syrer (373) kennt das Gebet zu Maria gar schon 150
Jahre zuvor als feste kirchliche Tradition. Im Abendland
lässt sich der Mariengruß (salutatio Beata Maria
Virgine) um die Wende des 7./8. Jahrhunderts nachweisen und wurde
dergestalt über Jahrhunderte von gläubigen Christen
gebetet und wegen der einleitenden Worte des Engels auch als
Englischer Gruß (salutatio angelica) vielfach gepriesen und
gerühmt. In fränkischen Quellen des 9. Jahrhunderts als
Offertorium überliefert, fand das Ave Maria ein Jahrhundert
später auch Eingang in das "Officium parvum Beatae Mariae
Virginis" und bildet bis heute an bestimmten Tagen des
Kirchenjahres einen festen Bestandteil in Messe und
Offizium.
Peter Wagner
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