Stimmkurs für Cembalo – Teil 9

Die Bekannte: Werckmeister III, 1691

In seinem 1691 in Frankfurt und Leipzig erschienenen Buch “Musikalische Temperatur” beschrieb Andreas Werckmeister, einer der angesehensten Musiktheoretiker in Deutschland um 1700, mehrere Arten, das Komma zu unterteilen. Unglücklicherweise nahm er dabei Bezug auf bereits früher erschienene Werke über dasselbe Thema und nummerierte dabei seine Temperaturentwürfe auf sehr missverständliche Art und Weise. So kommt es, dass unterschiedliche Temperaturen als “Werckmeister III” bekannt wurden.

Zeitweilig galt “Werckmeister III” – welche Temperatur sich dahinter tatsächlich auch immer verbarg – als der Inbegriff barocker Stimmungen und sie wurde bekannter als alle anderen. Wir bringen hier eine Anweisung zur Stimmung, die unter dem Namen “Die erste Art Num. 3″ in der “Musikalischen Temperatur” von 1691 beschrieben wird.

Man beginnt wie in der mitteltönigen Temperatur mit vier Quinten c – g – d – a – e, die um ein Viertel Komma zu klein sind. Die Probe ist wieder die reine Terz c – e. Man behält aber dieses e nicht, sondern stimmen es als reine Quart zu a. Dadurch wird die Terz c – e um ¼ Komma zu groß. Nun stimmt man von diesen Tönen aus reine Quinten bzw. Quarten: Vom c aus f, b, es/dis, gis, cis und fis und vom e aus das h. Die resultierende Quinte h – fis ist nun ebenfalls um ¼ Komma zu klein und schwebt fast genau so schnell wie die benachbarte Quinte c – g.


Stimmzirkel Werckmeister III

Diese Stimmung zeichnet sich dadurch aus, dass die häufigen Terzen c – e und f – a um ¼ Komma, b – d, d – fis und g – h um ½ Komma zu groß sind. Dafür hat z. B. B-Dur eine reine Quinte und so ist es auch mit einigen anderen Durdreiklängen, deren Terz noch stärker verstimmt ist, wie A-Dur, E-Dur, Es-Dur. Generell nimmt die Spannung der Durakkorde mit der Anzahl der Vorzeichen der entsprechenden Tonart zu, was hauptsächlich an der Terz des Akkordes liegt. Sie ist z. B. bei As-Dur und Fis-Dur um ein ganzes Komma zu groß. Dadurch entsteht ein deutlich unterschiedlicher Charakter jeder einzelnen Tonart.

Ausblick

Im nächsten Beitrag unserer Kategorie Cembalo stimmen lernen Sie die Stimmung kennen, die Herbert Anton Kellner 1976 veröffentlicht hat.

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