Stimmkurs für Cembalo – Teil 4

Weitere Tipps zum Stimmen eines Cembalos – Vom Pauken auf dem Klavier

Wenn man mit dem Stimmen beginnt, ist es zunächst schwierig zu hören, ob der Ton, den man stimmen möchte, zu hoch oder zu tief ist. Vorsichtshalber sollte darum die erste Veränderung des Tons immer nach unten gerichtet sein, auch wenn die Verstimmung dadurch zunächst größer wird. Das schadet nicht, denn meist ist es bei stärkerer Abweichung ohnehin leichter, sich zu orientieren. Beim Stimmen wird dann die Saite von unten auf die richtige Tonhöhe gebracht und der Hammer vorsichtig abgehoben. Achten Sie darauf, dass Sie immer nur so lange am Wirbel drehen, wie Sie die Saite schwingen hören, schlagen Sie den Ton entsprechend frühzeitig wieder an.

Instrumente, bei denen größere mechanische Kräfte auf die Saiten wirken, sei es durch höhere Saitenspannung wie bei Hammerklavieren und modernen Klavieren oder durch die Tonerzeugung selbst wie beim Clavichord verhalten sich anders als das Cembalo. Hier passiert es oft, dass sich die Saite durch den Anschlag des Tons in der Spannung noch ein wenig setzt und dadurch tiefer wird.

Die Ursache dafür ist zum einen die mechanische Einwirkung auf die Saite, zum anderen die unterschiedlichen Spannungsverhältnisse der Saite vor und hinter dem Steg. Wird die Saite angespannt, baut sich durch die Reibung der Saite auf dem Steg zunächst eine höhere Spannung in dem Segment zwischen Wirbel und Steg auf als in dem Rest der Saite hinter dem Steg. Je nachdem, wie gut die Saite nun auf dem Steg gleitet, findet ein Ausgleich dieser unterschiedlichen Spannungen erst statt, wenn die Saite mechanisch belastet, also gespielt wird – der Klavierstimmer spricht vom “Einpauken”. Stimmt man diese Instrumente, kann es sein, dass man die Saite zunächst minimal zu hoch einstimmen muss, damit sie durch nachfolgende Forte-Anschläge durch den Spannungsausgleich auf die richtige Tonhöhe sinkt.

Der Ausgangspunkt

Die meisten Stimmgabeln geben ein a’ mit 440 Hertz an. Das ist für unsere historischen Stimmungen eher ungünstig, denn fast alle Stimmanweisungen gehen vom c’ aus. Am einfachsten ist es, für den ersten Ton ein elektronisches Stimmgerät (auf das wir ja eigentlich verzichten wollen) oder einen Computer zu benutzen. Im einschlägigen Fachhandel sind Stimmgabeln für andere Töne und auch für andere Stimmtonhöhen (z. B. a’ = 415 Hz) erhältlich.

Um unsere Temperaturen mit einer 440er Gabel stimmen zu lernen, sollte man zunächst darauf verzichten, das a genau auf 440 Hz zu halten. Man beginnt also mit dem c, das man hat und passt das a entsprechend ein. Früher oder später hat man ein Gefühl für die Temperatur der Intervalle bekommen. Dann kann man mit dem a beginnen und sofort versuchen, das richtige Maß zu treffen.

Die Frequenz von Tönen steigt mit der Höhe nicht linear an, sondern exponentiell. Daher schwebt ein um denselben Anteil verstimmtes Intervall in der Höhe wesentlich schneller als in der Tiefe. Unsere Stimmanweisungen beziehen sich auf die notierten Töne und geben, wo es sinnvoll ist, das Tempo der Schwebung in ungefähren Schwebungen pro Sekunde an, daher ist ein Metronom für den Anfang ein gutes Hilfsmittel um ein Gefühl für das Maß der Temperatur des gestimmten Intervalls zu bekommen. Wir legen die Temperatur grundsätzlich in der eingestrichenen Oktave, weil hier die Schwebungen in einem gut zu kalkulierenden Maß liegen und sie am leichtesten zu hören sind. Ist die Temperatur einmal gelegt, ist das Vervielfältigen in die anderen Oktaven eine reine Fleißarbeit.

Da das Stimmen von Oktaven eine unnötige Fehlerquelle beim Legen der Temperatur darstellt, gewöhnt man sich am besten gleich an, in Komplementärintervallen zu denken. Statt einer Quinte aufwärts und einer nachfolgenden Oktave abwärts kann man auch gleich eine Quart abwärts stimmen. Dabei muss man nur darauf achten, die Abweichung vom reinen Intervall immer in dieselbe Richtung vorzunehmen. Aus einer verkleinerten Quinte aufwärts wird eine vergrößerte Quart abwärts.

Ein weiterer Vorteil dieses Verfahrens liegt darin, dass die unreinen Intervalle, die ja alle um denselben Betrag unrein sein sollen, auch alle sehr ähnlich verstimmt klingen und das Tempo der Schwebungen etwa gleich ist. So ist es leichter, wirklich gleichmäßig temperierte Intervalle einzustimmen.

Ausblick

Im nächsten Teil des Stimmkurses werden die physikalischen Grundlagen und ihre Auswirkung auf die Stimmpraxis erläutert. Außerdem erfahren Sie, was es mit dem wohltemperierten Klavier auf sich hat.

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