Jazz-Harmonielehre & Improvisation – Folge 3

Auf Blatt 4 finden wir das Stück “Sepia Samba”, das auf der Akkordfolge eines viel gespielten Jazzstandards basiert:


Blatt 4

Hier können wir unsere bereits erarbeiteten Kenntnisse anwenden und stellen fest:
Das Stück steht in den ersten acht Takten in D-Moll, der A7-Akkord bringt als Dominante wieder den Leitton cis mit hinein.
Im neunten Takt kommen mit dem F-7 zwei Bs dazu, er gehört mit den folgenden Akkorden Bb7 und Ebmaj7 zur Tonart Es-Dur.

Wir können uns für die Analyse als Grundregel merken: Nicht mehr Tonartbereiche annehmen und von Akkord zu Akkord nicht mehr ändern als nötig. Wer die beiden zugrunde liegenden Tonleitern sicher und fließend spielen kann, kann schon anfangen zu einer geeigneten Begleitung zu improvisieren, etwa mit einem befreundeten Pianisten oder selbstgemacht mit einem Sequenzerkeyboard.

Es fällt auf, dass die neue – temporäre – Tonart nicht mit dem Akkord auf der Grundstufe beginnt, sondern mit einer Kadenz auf den Stufen II und V. Diese Akkordverbindung ist die wichtigste überhaupt in allen traditionellen Jazzstilen. Je schneller wir in die Lage kommen, sie zu erkennen und zu meistern, desto besser (dazu später in diesem Kurs mehr).

Natürlich können wir die Übungen der letzten Folge – Guidelines entlang der Schienen Terz und Septime – hier genauso üben. Wenn wir uns aber die Melodie des Stücks anschauen, sehen wir, dass sie meist auf Tönen “oberhalb” der Basisakkordtöne spielt, oft die None, beim Bb7 die 13 und ähnliches. Auch das c in Takt 6 ist trotz des cis im Akkord kein Druckfehler. Diese Töne, die in “klassischen” Melodien als Vorhalte gehört und aufgelöst werden, werden im Jazz in den Klang integriert.
Ich empfehle daher unbedingt – auch und gerade den Nichtpianisten – einmal am Klavier die typischen Jazzakkorde zu spielen: die linke (oder der Bassist) den Grundton, rechts den Terzaufbau bis zur None. Alternativ kann der Akkord so umgekehrt werden, dass die Sekundreibung in den Innenstimmen liegt (B-Form). Die 13 kann – vor allem bei Dominanten – die Quinte ersetzen, die kleine None beim moll 7b5 lässt man besser erstmal weg, hier passt die 11 gut.
Man versuche, auf diese Weise das Stück zu begleiten! Mein Vorschlag ist auf hier notiert:

Blatt 5

Ausblick

In der nächsten Folge gibt’s ein paar Übungen für die Melodieimprovisation zu diesem Stück.

Ein Gedanke zu “Jazz-Harmonielehre & Improvisation – Folge 3

  1. Pingback: Jazz-Harmonielehre & Improvisation – Folge 4 | Stretta Music Blog | Nachrichten, Infos, Tipps und Tricks für Musiker | Musik News

Einen Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Sie können folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>