Jazz-Harmonielehre & Improvisation – Folge 2

Auf dem Arbeitsblatt 2 finden Sie den Anfang des bekannten Liedes “Autumn Leaves”, das gern von Jazzmusikern gespielt wird (allein auf YouTube gibt es über 11.000 Versionen). Ein solches Blatt, das nur Melodie und Akkordsymbole enthält, wird “lead sheet” genannt.


Arbeitsblatt 2

Mit dem Begriff der leitereigenen Akkorde, den wir in der letzten Folge kennengelernt haben, können wir feststellen:

  • alle Akkorde gehören zu der vorgezeichneten Tonart mit zwei Bs, nur der D7 enthält ein fis, das als Leitton zum Grundton des letzten Akkords führt, also: G-moll.
    Den ersten Anfängerfehler haben wir somit schon umgangen: nämlich C-7 zu sehen und “C moll” zu denken, am Klavier können wir uns überzeugen, dass das As hier bestenfalls sinnlos klingt. Auf C bezogen ergibt das Tonmaterial mit zwei Bs eine “dorische” Tonleiter, diese Bezeichnungen sind in Jazz üblich, wir kommen aber zunächst gut ohne sie aus.
  • die Grundtöne bewegen sich in Quinten abwärts (an einer Stelle ist es eine Verminderte). Diese Grundtonfortschreitung ist die bei weitem häufigste und wird oft als besonders natürlich empfunden, die Musik des Barockzeitalters ist voll davon.

Damit kann jemand, der improvisieren will, zunächst einfach nur “G moll” denken und den Rest nach Gehör machen. Das wird ganz gut funktionieren, solange er sich vor allem in Tonschritten bewegt. Grössere Intervalle oder Abfolgen von Terzen wirken “akkordisch”, man kommt also nicht drumherum, irgendwann auch die Akkorde lesen zu lernen und als Brechungen auf dem Instrument zu üben. Zum Ausprobieren eignen sich Play-Along-CDs etwa aus der Aebersold-Reihe.

Wer auf dem Instrument noch nicht so weit ist – oder eines spielt, auf dem das schnelle Spielen der Akkordbrechungen schwierig ist, kann mit dem Konzept der “Guide Line” gute Ergebnisse erzielen. Sehr gut auch für Sänger geeignet! Auf dem Arbeitsblatt 3 sehen wir die Stimmführungen der Akkorde (auf jeden Fall am Klavier anhören, geht auch auf Gitarre oder E-Bass gut):

Arbeitsblatt 3

Während der Grundton springt, gehen die Terz und die Septime der Akkorde immer abwechselnd ineinander über: Es entstehen zwei “Schienen”, an denen man entlangspielen kann. Ich empfehle, jede der beiden Schienen auswendig zu lernen und dann zu improvisieren indem man zunächst beim Übergang zwischen zwei Akkorden die Stimmführung beibehält.
Das Solo wirkt dann sehr logisch und kurze Zeit später sollten Sie in der Lage sein, jeden Nichtakkordton als Vorhalt zu hören und sinnvoll weiterzuführen.

Die Originalmelodie folgt der oberen Schiene, wir können in den Pausen einen schönen Kontrapunkt dazu mit der anderen improvisieren!

2 Gedanken zu “Jazz-Harmonielehre & Improvisation – Folge 2

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